Die neue Privacy Policy wurde am 8. Juni angekündigt und tritt heute, am 8. Juli, in Kraft. Sie betrifft die Consumer-Plans — Claude Free, Pro und Max — und ist die substanziellste Überarbeitung des Dokuments seit September 2025. Drei Klauseln sind für den betrieblichen Einsatz besonders relevant, und sie sind nicht Kosmetik.

Erstens: Agentische Datenflüsse werden explizit geregelt

Der neu formulierte Kernsatz lautet: „Claude may send your Inputs, Outputs, and instructions to Third-Party Services to perform actions on your behalf (such as reading files, sending messages, or retrieving information)." Übersetzt: Sobald ihr einen MCP-Server, einen Connector oder eine andere agentische Erweiterung an euren Claude-Zugang angehängt habt, fließen eure Daten an diese Drittsysteme — und Anthropic macht in der neuen Policy explizit klar, dass das Bestandteil der bestimmungsgemäßen Nutzung ist.

Was in der Praxis bisher schon so lief, ist jetzt vertragstext-fest. Für die Auftragsverarbeitungs-Dokumentation eures Datenschutzbeauftragten heißt das: Jeder MCP-Server in eurem Setup ist ein Sub-Auftragsverarbeiter, und die Datenkategorien, die ihr über Claude verarbeitet, fließen dort mindestens einmal durch. Wer bisher nur Anthropic in seinem AVV stehen hatte, hat einen Nachtrag zu machen.

Für unsere Kunden mit produktiven MCP-Setups — SSH-Server, Datenbanken, Memory-Systeme, GitHub-Anbindungen — ist das die dringlichste Änderung. Eine schnelle Bestandsaufnahme heute Abend lohnt sich: welche MCP-Server hängen aktuell an eurem Claude, welche Datenkategorien fließen durch, sind das alles Sub-Auftragsverarbeiter mit korrektem DSGVO-Setup.

Zweitens: Training auf Consumer-Daten wird zum Default

Die Trainings-Klausel ist die zweite substanzielle Änderung. Anthropic hat klargestellt: Inputs und Outputs aus Consumer-Plänen können für Modelltraining verwendet werden, sofern der Nutzer nicht aktiv über Kontoeinstellungen opt-out gemacht hat. Das ist eine Umkehr der bisherigen Erwartung. Wo bisher „Training auf euren Daten ist die Ausnahme, opt-in erforderlich" die verbreitete Interpretation war, ist es jetzt „Training ist der Default, opt-out muss aktiv gesetzt sein".

Praktisch relevant wird der zweite Halbsatz: Konversationen, die durch die Anthropic-Safety-Systeme geflaggt werden, können unabhängig vom Opt-out-Status für Training verwendet werden. Der Nutzer kann diese Ausnahme nicht abwählen. Für Business-Nutzer, die geschäftlich sensitive Inhalte übertragen, ist das nicht folgenlos: wenn eure Prompts irgendeine Klassifikations-Kategorie auslösen — mit den in den letzten Wochen zunehmend engen Safety-Klassifikatoren realistisch —, landen sie im Trainings-Set.

Wichtig: Diese Änderung betrifft nur Consumer-Pläne (Free, Pro, Max). Team- und Enterprise-Kunden haben in ihren Verträgen separate Datenverarbeitungs-Bestimmungen, die diese Klausel nicht abbilden. Wer heute geschäftlich auf Pro oder Max fährt und regelmäßig sensitive Kundendaten durch das System schickt, hat einen klaren Handlungsauftrag: entweder Opt-out aktivieren und in der Datenschutz-Dokumentation nachhalten, oder auf Team-Plan wechseln, wo diese Klausel nicht gilt.

Drittens: Verification Data — Persona wird Policy-Bestandteil

Die dritte Klausel führt eine neue Datenkategorie ein: „Verification Data" für die Handhabung von Altersnachweisen und Identitätsdokumenten. Das ist die Rechtsgrundlage für die Persona-Verifikation, die eigentlich heute scharfgeschaltet werden sollte — und laut aktueller Beobachtung mit dem Fable-Termin auf den 12. Juli mitverschoben wird, aber weiter geplant ist.

Für europäische Nutzer bleibt an dieser Stelle die DSGVO-Ecke bestehen, die wir am Freitag im Detail durchgesprochen haben. Die Policy dokumentiert den Datenfluss, nimmt aber der Sub-Auftragsverarbeiter-Frage nicht die Schärfe. Persona bleibt US-Anbieter, unterliegt US-Recht, und die 269 zusätzlichen Checks bleiben unverändert eng an FinCEN-SAR-Fähigkeit und Terror-Watchlist-Abgleich gebunden.

Wer betroffen ist — drei typische Setups

Setup A: Einzelnutzer auf Pro-Plan, private Nutzung. Die Änderungen greifen, aber die Handlungsdringlichkeit ist überschaubar. Opt-out für Training in den Kontoeinstellungen aktivieren, dokumentieren, weiter wie bisher. Persona kommt bei den bekannten Triggern; wer ohnehin auf Trigger-Vermeidung ausgelegt ist, ist okay.

Setup B: Team von 3-15 Personen, Pro/Max mit Business-Nutzung. Handlungsauftrag ist am dringlichsten. Wer über Consumer-Pläne Kundendaten verarbeitet, hat entweder heute in seiner AVV-Dokumentation etwas nachzuholen — oder sollte diese Woche die Migration auf einen Team-Plan mit separater DPA planen. Team-Plan kostet mehr, hat aber die DSGVO-relevanten Klauseln in einer besseren Konfiguration.

Setup C: Enterprise mit eigener AVV. Weniger direkte Änderung, aber die Team-Level-Änderungen sind ein Signal, das man mit dem Anbieter-Account-Manager besprechen sollte. Wer eine bestehende Enterprise-DPA hat, sollte prüfen lassen, welche Bestimmungen aus der Consumer-Policy auf eure Klauseln durchgereicht werden — in der Praxis nur wenige, aber die Prüfung ist nicht folgenlos.

Was heute Abend und diese Woche zu tun ist

Fünf konkrete Schritte in absteigender Dringlichkeit:

  1. Opt-out für Training aktivieren in den Kontoeinstellungen — für jeden Nutzer, der geschäftlich mit sensiblen Daten arbeitet. Das ist eine Ein-Minuten-Aktion, aber die Grundlage aller weiteren Compliance-Fragen.
  2. MCP-Server-Inventar erstellen. Welche Connector und MCP-Server hängen an euren Claude-Accounts? Für jeden: Datenkategorien, Zweck, Datenschutzstatus. Diese Liste braucht ihr für den AVV-Nachtrag.
  3. Consumer- vs Team-Plan-Entscheidung treffen. Wer geschäftlich auf Pro/Max fährt: ist der 25-Dollar-Aufschlag pro Nutzer für den Team-Plan gerechtfertigt gegenüber der DPA-Verbesserung? In den meisten Fällen ja. In Einzelfällen ausnahmslos.
  4. DSB informieren. Wenn ihr einen Datenschutzbeauftragten habt, ist das die richtige Nachricht heute Abend: „Anthropic Privacy Policy heute effective, drei substanzielle Änderungen, wir haben die folgenden Schritte eingeleitet." Nicht die Woche warten.
  5. Kalender bis 13. Juli aktualisieren. Fable wandert wie am Montag berichtet nach Verlängerung auf den 12. Juli in die Prepaid-Credits. Persona wurde vermutlich mit verschoben, kommt aber. Die Split-UI im Billing (SDK-Credits getrennt vom Sub-Betrag) ist bereits ausgerollt — Trigger noch aus. Vier Anthropic-Änderungen in einer Woche.

Der weitere Kontext

Diese Privacy-Policy-Änderung ist der vierte Anthropic-Vorgang in den letzten sieben Tagen. Fable-Ban-Reinstate, Persona-Rollout, Fable-Credits-Umstellung (mit Verschiebung), jetzt Privacy-Policy. Wir haben in dieser Reihe mehrfach das Argument gemacht, dass die einzelnen Vorgänge weniger interessant sind als das Muster — und dass die Antwort auf das Muster nicht in einem Anbieter-Wechsel liegt, sondern in einem flexiblen Harness.

Die heutige Privacy-Policy ist ein guter Zeitpunkt, das operativ zu verankern: eure Anwendung sollte nicht wissen, ob eure Prompts gerade an Anthropics Consumer-Endpoint oder an einen Team/Enterprise-Endpoint gehen. Sie sollte auch nicht wissen, ob dazwischen ein MCP-Server hängt oder nicht. Das entscheidet euer Harness, das entscheidet eure Compliance-Konfiguration — und wenn die Policy sich in einem Monat wieder ändert, entscheidet ihr das anders, ohne Refactor.

Hartes Fazit: Die heute effective Privacy Policy ist der zweite Vorgang in einer Woche, in dem Anthropic seinen Consumer-Datenschutz-Rahmen verschiebt. Wer geschäftlich auf Consumer-Plänen fährt, hat diese Woche zwei Handlungspunkte: Opt-out aktivieren und den Team-Plan-Wechsel prüfen. Wer Enterprise fährt, hat die Prüfaufgabe. Wer bisher keinen Datenschutzbeauftragten aktiv einbezogen hat, sollte das spätestens jetzt tun — die nächste Änderung kommt in zwei bis drei Wochen, und jede Änderung erhöht die Dokumentations-Anforderungen.

Habt ihr die drei Klauseln schon in eurer Doku?

Im KI-Audit prüfen wir binnen zwei Stunden nicht nur eure Anbieter-Auswahl, sondern auch die Consumer-vs-Team-Plan-Frage konkret an eurem Setup und die MCP-Sub-Auftragsverarbeiter-Landkarte. Danach habt ihr die AVV-Nachträge, die euer DSB von euch erwartet.

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